AKW-Referendum: Volt Schweiz unterstützt die Sammelphase
Das Schweizer Parlament hat das 2017 erlassene Verbot für neue Atomkraftwerke aufgehoben. Nun kämpft eine breite Allianz mit einer Volksinitiative dagegen. Was ist die Position von Volt?
Das Referendum im Überblick
Am 30. Juni 2026 hat ein breite Allianz aus SP, den Grünen, der GLP, den Mitte-Frauen sowie mehreren Umweltorganisationen das Referendum ergriffen. Die Allianz wehrt sich gegen die parlamentarische Entscheidung zum Neubau von Atomkraftwerken in der Schweiz. Bis zum 8. Oktober 2026 müssen 50'000 gültige Unterschriften gesammelt werden. Die Abstimmung ist frühestens per 28. Februar 2027 möglich.
Einordnung
2016 stimmten die Schweizer Wähler:innen über die Initiative “Für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie» ab. Bundesrat und Parlament legten dem Stimmvolk eine Ablehnung nahe, da beide einen überhasteten Ausstieg fürchteten. Mittels der “Energiestrategie 2025” wurde der schrittweise Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Heute sind noch drei AKWs im Netz. Sie produzieren 28 % des Schweizer Stroms.
Russlands Angriffskrieg in der Ukraine 2022 belebte die Debatte wieder auf. Die Initiative „Jederzeit Strom für alle (Blackout stoppen)" forderte die Aufhebung des Neubau-Verbots. Der parlamentarische Gegenvorschlag schaffte dies mit knapper Mehrheit. Das Referendum wendet sich gegen den nun verabschiedeten Gegenvorschlag.
Die Argumente der Referendums-Allianz
Importabhängigkeit: Neue Reaktoren würden die Abhängigkeit von russischem Uran verschärfen
Kosten und Risiko: Internationale Erfahrung zeigt Milliarden-Überläufer; das Risiko trüge letztlich der Steuerzahler
Verpasste Chancen: Kapital und Aufmerksamkeit für Atomkraft könnten Solar, Wind und Speicher ausbremsen
Zeithorizont: Neue Reaktoren brauchen 15–20 Jahre. Für die diskutierte Winter-Strommangel-Krise viel zu langsam
Black-Box-Prozess: Der Bericht des Bundesrats zu Finanzierungsfragen kommt erst nach der Abstimmung. Die Wähler:innen entscheiden also ohne alle Fakten zu kennen.
Unsere Position
Volts Position zur Atomkraft beruht auf einer evidenzbasierten Grundhaltung gegenüber der Kernenergie. Unsere Leitlinie „Eine europäische, sichere und innovative Strategie zur Kernenergie" setzt daher auf bedingte Kriterien sowie einer differenzierten Betrachtungsweise:
Bestehende Reaktoren dürfen bis zum Ende ihrer Konzessionslaufzeit weiterbetrieben werden; Laufzeitverlängerungen sind nur akzeptabel, wenn aktuelle Sicherheitsstandards erfüllt sind, der Betreiber die vollen Kosten trägt, modernste Technologie angewendet wird und das Kraftwerk wirklich für die Klimaneutralität benötigt wird.
Neue Reaktoren sind nur unter der Prämisse akzeptabel, wenn sie inhärent sicher sind (keine aktiven Systeme für eine sichere Abschaltung erfordern) und robust gegen externe Bedrohungen sind.
Volt Schweiz unterstützt die Forschung an zukunftsträchtigen Konzepten (kleine modulare Reaktoren, Thorium- und Flüssigsalzdesigns, Gen-IV-Reaktoren und Fusion).
Gemessen an diesen Kriterien ist die parlamentarische Entscheidung fahrlässig: Sie hebt das gesetzliche Verbot auf, legt aber keine Sicherheitsanforderungen für zukünftige AKW-Designs fest und klärt nicht, wer das finanzielle und Haftungsrisiko trägt. Laut aktueller Studie der ETH Zürich sind neue AKW ohne finanzielle Absicherung vom Staat nicht realisierbar und für die Erreichung des schweizerischen Netto-Null-Ziels 2050 nicht notwendig.
Aus diesem Grund unterstützt Volt Schweiz das Referendum: Es schafft Chancen, das Thema nachhaltige Energie-Entwicklung noch einmal neu auszurichten - insbesondere in Anbetracht der menschengemachten Klimawandels.